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September 2001

Reisebericht Grönland 14. - 25.09.2001

Adventurediver Expedition
Gerd Meyer, Eva Schmied
Am Schlossgraben 10
85376 Massenhausen
Tel.-Fax: 08165-98427
E-Mail: gerd@adventure-diver.de
Internet: www.adventure-diver.de

Die Tage der Vorbereitung

Nachdem wir im Jahr 2000 eine erste Erkundungsreise nach Grönland unternahmen, um uns die Gegebenheiten anzusehen und uns über die Tauchmöglichkeiten zu informieren, haben wir dieses Jahr nun mit einer kleinen integren Gruppe von erfahrenen Tauchern unsere erste Tauchexpedition nach Grönland durchgeführt.

Wiederum war unser Ausgangsort Ilulissat, die Stadt am Kangia, wo man das einzigartige Spektakel der riesigen Eisberge erleben kann.

Bevor unsere Gruppe in Ilulissat ankam, war noch eine ganze Menge vorzubereiten. Als Basis diente uns ein Container auf der dem Hafen gegenüberliegenden Seite, in dem all unser Equipment, natürlich auch die BAUER Kompressoren, gelagert sind. Zum teil bei strömendem Regen und Außentemperaturen von nur mehr 2-3°C machten wir uns in der Regel zu Fuß auf den Weg dorthin, um die Flaschen zu füllen und die Ausrüstung für die kommende Tauchexpedition vorbereitet.

Es kann losgehen

Dann, am 14.9., war es soweit, wir konnte unsere Gruppe in Empfang nehmen.

Schon alleine der Anflug hatte alle sehr beeindruckt. Der Anflug nach Ilulissat führt über den Kangia, einen Fjord, in den der Sermeq Kujalleq Gletscher kalbt. Die Eisberge schieben sich dann etwa ein Jahr lang bis zum Ausgang, um in den Isfjeldsbanken zu driften. Diesen Teil überfliegt man beim Landeanflug.

Weiter draußen auf dem Meer mußte ein Eisberg auseinandergebrochen sein, denn am Vortag zog sich ein breiter Gürtel aus Eisschrott am Horizont entlang. Heute war der Eisschrott und eine Reihe kleiner Eisberge bis in die Bucht vor Ilulissat vorgedrungen und bot ein zusätzliches beeindruckendes Spektakel.

Vor der Kulisse der Eisberge machten wir einen ersten Erkundungsgang durch Ilulissat, um unseren Gästen die Stadt zu zeigen, die nächsten Tage zu besprechen und erst einmal die ersten Eindrücke setzen zu lassen. Auch die Zeitverschiebung von minus 4 Stunden muß berücksichtigt werden, denn abends spürt man diese dann schon sehr stark.

Der erste Tauchgang

Am nächsten Tag fuhren wir mit der MS Maya von Willi Gemander zum ersten Tauchplatz, dem Holländers Havn, eine schmale Bucht zwischen Ilulissat und dem Flughafen. Bei strahlendem Sonnenschein, ca. 4-6°C Luft- und 0°C Wassertemperatur, bereiteten wir den ersten Tauchgang vor. Es lagerten zwar eine Menge Eisberge vor der Bucht, jedoch kamen wir mit dem Boot gut durch.

Einige Tage zuvor waren wir mit einem kleinen Boot fast nicht mehr aus der Bucht gekommen, da sich aufgrund des Windes und der Strömung die Eisberge sehr schnell zum Eingang dieser Bucht schoben.

Einen geeigneten Eisberg zum Tauchen hatten wir leider nicht, doch ist es auch wichtig, sich und das Material erst einmal an die Gegebenheiten zu gewöhnen. Die Tauchgänge in der Bucht brachten einen sehr lebendigen Lebensraum zu tage, dicht bewachsen mit Laminarien, in deren Schutz sich Seespinnen und Krebse, Krabben und Schnecken tummeln. Die Überraschung war geglückt, einerseits mit dieser lebendigen und farbenfrohen Unterwasserwelt, andererseits mit der Erfahrung der Kälte. Denn obwohl alle erfahrene Kaltwassertaucher und Eistaucher im herkömmlichen Sinn waren, ist der Unterschied zwischen mindestens 4°C beim Eistauchen und -1 bis 0°C in Grönland doch sehr spürbar und überraschend.

Fahrt nach Rodebay

Am nächsten Tag fuhren wir mit der "Maya" die Küste nordwärts nach Oqaitsut (Rodebay), wo wir die nächsten Tage verbrachten. Zuvor mußte jedoch erst einmal die "Maya" mit all der Ausrüstung beladen werden. Alle Kisten mit Kompressor, Tauchausrüstung und Flaschen, die Notfallkoffer und alle persönlichen Gepäckstücke mußten zum Pier getragen und über ein anderes Schiff, an dem wir längseits lagen, auf unser Schiff geladen werden.

Oqaitsut ist eine Inuit-Siedlung mit ca. 50 Einwohnern ungefähr eine Stunde Bootsfahrt von Ilulissat entfernt. Die See war sehr rauh und unruhig und die Fahrt gestaltete sich sehr abenteuerlich - hohe Wellen und ein rauher Wind, der uns um die Ohren fegte. Aber trotzdem blieben einige von uns an Deck, um einen ungestörten Blick auf die Eisberge, an denen wir vorüber kamen, zu haben. Schließlich bogen wir in die Bucht von Rodebay ein und das Meer beruhigte sich in dieser sehr gut geschützt gelegenen Bucht gleich. Aufgrund ihrer Lage und der Tatsache, dass die Tiefe in der Bucht zur Mitte hin zunimmt, sowie aufgrund der sehr guten Versorgung ist dieser Platz hervorragend zum tauchen geeignet.

Neu gab es an der Anlegestelle einen Holzpier, der bei höherem Wasserstand gut angelaufen werden konnte. Dies machte es uns wesentlich einfacher, das Material zu entladen. Denn obwohl gut verpackt, hat so ein Kompressor schon ein beträchtliches Gewicht, wenn man ihn ohne Hilfsmittel über die Bordwand hieven muß. Das Material mußte von hier aus allerdings nicht weit getragen werden und wurde in einem Schuppen, der zum H8 gehört, zusammen mit dem restlichen Equipment gelagert.

Übernachtet wurde wieder in der Herberge, die zum H8 gehört. Gegessen wurde im H8 selbst, das von Uta und Ingo Wolff aus Deutschland geführt wird. Als Basis ist die Anlage des H8 sehr gut geeignet, da der Anlegeplatz, das Lager für die Tauchausrüstung, und teilweise auch die Tauchplätze, in kurzen Distanzen zu erreichen sind. Nur das Duschhäuschen, das es seit diesem Jahr gibt, liegt am anderen Ende des Ortes.

Tauchgänge in Rodebay

Die Insel und die Qivittoq-Bucht
Am Ankunftstag fuhren wir mit der "Maya", jetzt nur noch mit "leichtem Gepäck", d.h. Ausrüstung für einen Tauchgang, in südöstlicher Richtung zum äußersten Teil der Bucht. In diesem Teil liegt eine kleine Insel, hier mußte es eine Wand geben, Tiefenlinie ca. 25-30m. Ein netter kleiner Eisberg lag dort gleich an der Küste. Tatsächlich gab es hier entlang des steil abfallenden Grundes eine kleine Wand, der Grund war bevölkert mit einer Reihe von großen Seeanemonen und Seedahlien, ein paar Dorsche tummelten sich unter dem Schiff, und der Eisberg ließ sich gut betauchen. Alles in allem ein wunderschöner Platz, an dem vorher noch nie jemand getaucht ist (wie auch fast alle folgenden Plätze).

Da mit der "Maya" keine Zeit mehr für einen zweiten Tauchgang war, beschlossen wir, von Land aus noch einen Nachttauchgang zu machen. Ideal für einen Nachttauchgang war die Bucht zwischen dem H8 und der Herberge. Die Taucher gingen also bei Dämmerung ins Wasser, um sich das Treiben unter Wasser auch einmal bei Nacht anzusehen. Da aber Taucher generell für die Leute hier eher fremdartige Wesen sind und man, da die Inuit natürlich nach wie vor auch Jäger sind und Robben jagen, beim Auftauchen immer aufpassen muß, dass man nicht mit einer Robbe verwechselt wird, waren natürlich Taucher bei Nacht erst recht fremdartige Erscheinungen. Ein Fischer, der gerade mit dem Boot zum Steg fuhr, sah nun die Lichter. Sein Erstaunen führte ihn mehrmals zu dem Ort, an dem er die Lichter unter Wasser sah, zurück. Er konnte sich das Phänomen nur folgendermaßen erklären: Ein Qivittoq mußte hier sein Unwesen treiben! Qivittoq ist der Name eines Geistes. Oft trifft man noch einen gewissen Geisterglaube bei den Inuit an. Die Inuit, die nach wie vor noch Jäger sind, gehen oft lange alleine mit ihren Hunden auf die Jagd. Wenn man sich dann die weite Eiswüste vorstellt, die Licht/Schatten-Effekte und die Stille, dann braucht es einen nicht zu wundern, "sieht" man manchmal einen Geist in dieser Situation.

Arnanguit und Kangesuneq
Auch am nächsten Tag fuhren wir wieder mit der "Maya" aus. Bei unserer Suche nach einem Tauchplatz fuhren wir in nordöstlicher Richtung. Zwischen dem Festland und der Insel Arnanguit gab es einen plötzlichen Sprung in der Tiefenlinie, also wurde natürlich in Erwartung einer Wand dort im Osten der Insel geankert. Der Tauchplatz bot uns dann auch eine mehrfach bis auf mehr als 30m gestufte Wand, die mit roten und gelben großen Seeanemonen und der roten Seedahlie bevölkert ist. Dazwischen das Gewirr der Tentakel einer tiefroten Anemonenart, die wie ein fein verästeltes Arteriensystem aussah. Am Grund findet man sehr viele Seewalzen. Knurrhähne und Skorpionsfische bewohnen sowohl den Grund als auch die Wand. Auch Krabben und Seespinnen trafen wir oft an, die sich im Schutz der Anemonen hielten. Die Steine sind überall mit einer Krustenalge überwachsen, die den Steinen einen violetten Farbton verleiht . Wüsste man es nicht besser könnte man meinen, an einem Riff zu sein.

Der zweite Tauchgang des Tages führte uns in den Kangersuneq, ein großer Fjord, an dessen Ende wir vor Anker gingen. Auch hier fanden wir wieder steil abfallenden Grund, der üppig bewachsen und belebt war.

Walfriedhof
Der heutige Tauchgang führte uns zum "Walfriedhof", den wir schon vom letzten Jahr kennen. Diesmal wurden Material und Taucher mit dem Schlauchboot transportiert, getaucht wurde von Land aus. Es handelt sich hier um eine Stelle, an der die erlegten Wale (das Kontingent für die Inuit für den Walfang beträgt in dieser Region 2 Finwale pro Jahr) über die flach abfallenden Steine an Land gezogen und hier zerteilt und verkauft werden. Die Knochen und Schädel werden dann wieder zurück ins Meer gebracht.

Zwischen Wirbelknochen von der Grösse einer Waschmaschinentrommel, Bandscheiben in Fleischtellergrösse und Schädelteilen tauchten wir entlang. Die Knochen bieten wieder neuen Lebensraum für die Meerestiere. Man hatte uns schon gesagt, dass ein großer Schäden eines Wals vom letzten Oktober hier liegen müßte. Und tatsächlich fanden wir ihn, ein Schädel, der noch mit Barten versehen war und ziemlich viel Walfett an sich hatte. Zwei unserer Taucher wagten sich zwecks Fototermin etwas zu nahe an den Schädel heran, der Geruch blieb noch lange an der Ausrüstung des "Modells" hängen, der Fotograf hatte - etwas weitere entfernt - mehr Glück.

Auch der zweite Tauchgang des Tages fand hier statt. Oder eigentlich der dritte, denn unser Buddyteam Marcel und Uwe hatten bereit ein defektes Sonar an einem Fischerboot, welches für Touristenfahrten genutzt wird, begutachtet.

Barbie's Bucht
Am nächsten Tag führten wir unsere Tauchgänge in der Barbie's Bucht durch. Benannt hatten wir die Bucht nach einem von seinem Rudel ausgestoßenen Schlittenhund, der von Uta und Ingo aufgenommen wurde.

Die Bucht ist direkt durch einen kurzen Fußmarsch über die Graslandschaft von der Herberge aus zu erreichen und liegt an der Außenseite der Bucht von Rodebay, also zum offenen Meer hin. Nachdem die Ausrüstung zum Tauchplatz gebracht wurde, konnten die Vorbereitungen beginnen. Einer der Eisberge, ein eher flacher, der auf ca. 9m am Grund festgefahren war, wurde für die Tauchgänge ausgewählt, Wassertemperatur 0°C. Getaucht wurde zuerst über den mit großen Laminarien bewachsenen Grund, plötzlich schimmert das weiß der Eismasse durch und man hat diesen um vieles größeren und bizarr geformten Unterwasserteil des Eisberges vor sich. Während oben noch die Sonne das Eis unter der Oberfläche zum glitzern bringt, wird es weiter unten gespenstisch düster und der achtsame Blick nach oben sowie das Belauschen des Eisberges versetzt den Taucher in eine leichte Anspannung. Denn wenn der Eisberg knackt oder knallt oder man sich unter einem, wenn auch nur kleinen, Überhang befindet, kann es gefährlich werden. Man kann sich gar nicht satt sehen und findet immer wieder neue Facetten des Unterwassereises. Es macht großen Spaß, sich hinter Eisvorsprüngen zu verbergen oder in Spalten hineinzusehen.

Die Oberflächenpause verbrachten wir auch heute wieder in der warmen Sonne auf den zum Meer hin abfallenden Felsen sitzend mit einem herrlichen Blick auf die Eisberge, die vor uns langsam die Küste entlang treiben. Der Vorteil dieses Tauchplatzes ist ganz klar die Lage, vergessene Ausrüstungsteile können schnell geholt werden, und zwischendurch können wir zur Basis zurückgehen, wo der Kompressor bereitsteht, um die Flaschen für den nächsten Tauchgang zu füllen.

Rote Anemone und nochmals die Qivittoq-Bucht
Heute ist es stark bewölkt, die Wolken hängen tief über den Bergen. Es ist der erste Tag mit schlechtem Wetter, seit unsere Gruppe angekommen ist. Davor hatten wir täglich sonniges und angenehmes Wetter. Doch heute ist es kalt, richtig arktisch, wie man es sich so vorstellt. Dennoch brechen wir mit dem Schlauchboot auf und bringen Mensch und Material zu einer kleinen nach Westen hin eingekerbten Bucht mit flach abfallenden Felsen. Hier waren die Landemöglichkeiten für das Boot und die Einstiegsmöglichkeiten für die Taucher geradezu ideal. Glasklares Wasser und ein herrlicher Blick über die weitläufige Bucht von Rodebay offenbarte sich uns hier. Dieser Platz wurde von uns Rote Anemone getauft, da hier ab ca. 20m eine wunderschöne Wand begann, die voll von ihnen war. Ähnlich der vorher beschriebenen Wand tummelten sich auch hier Seespinnen und auch hier konnte man die Grönlandkrabbe finden, die aussieht, als ob jemand auf sie draufgetreten wäre. Ein Seewolf kreuzte unseren Weg. Vereinzelt huschten aufgeschreckte Knurrhähne an uns vorbei und Pilgermuscheln schlossen ihre Öffnungen schnell. Nur die Seesterne ließen sich bei ihrer Mahlzeit, wenn sie über die Seeigel gestülpt diese aussaugen, nicht stören.

Als wir wieder auftauchten, war die Landschaft weiß, der Regen hatte sich in Schnee verwandelt und das Land mit einer weißen Decke zugedeckt. An eine Oberflächenpause bzw. einen zweiten Tauchgang unter diesen Umständen war nicht zu denken. Also verlegten wir nach einer kurzen Teepause wieder zurück zur Basis H8, der zweite Tauchgang fand dann wieder in der Qivittoq Bucht statt. Auch bei Tageslicht waren eine Reihe von Schnecken und Fischen im Seegras der Bucht zu finden.

Rückfahrt nach Ilulissat

Heute war das Wetter wieder ausgezeichnet. Willi sollte uns heute abholen und nach Ilulissat zurückbringen. Wieder mußte alles Material auf das Boot verladen werden. Nach all den Tagen relativ einfacher Logistik waren die kommenden Tage wieder voller Schlepperei, den in Ilulissat lagen die Plätze wie Unterkunft und Materiallager wieder relativ weit auseinander. Ans Tauchen war heute aus Zeitgründen nicht zu denken, die Rückfahrt nach Ilulissat fand aber bei glatter See und schönem Wetter statt. Die Unterkunft in Ilulissat mußte wieder bezogen werden, nachdem die Ausrüstung verstaut war. Und gegen eine kleine Pause hatte niemand etwas einzuwenden. Es blieb Zeit für einen eindrücklichen Spaziergang entlang der Küste zum Isfjeldsbanken, wo man einen einzigartigen Blick von Land aus auf die riesigen Eismassen hat, die aus dem Kangia driften.

Der letzte Tauchgang im Holänders Havn

Für unseren Abschlußtauchgang haben wir hier einen hervorragenden Eisberg vorgefunden. Leider regnete es sehr stark, doch bei so einem Tauchplatz störte das niemanden, außerdem waren wir wieder mit der "Maya" unterwegs und man konnte sich drinnen etwas aufwärmen bzw. trocknen. Es herrschte Strömung und der Eisberg war in Bewegung. Ein flacher, ca. 2 m unter der Oberfläche, weit auslaufender Teil des Eisberges schimmerte türkis, das andere Ende war aber weit sicherer zum tauchen, da ohne Überhang und wegweisend vom Land. Doch plötzlich gab es einen Knall, der so laut wie ein Schuß war. Und auf diesen Knall folgten noch einige weitere. Der Druck im Eis hatte offenbar Risse in den Eisberg gesprengt, was man unter Wasser als eine Art Vibration körperlich spüren kann. In solchen Augenblicken heißt es dann nur mehr "weg vom Eis", denn der Eisberg könnte brechen oder sich drehen.

Der zweite Tauchgang konnte daher leider nicht mehr am Eis stattfinden, doch auch die steile Küste offenbarte unter Wasser einen herrlichen Tauchplatz, nämlich eine Felswand mit einer kleinen Höhle und Überhängen, die dicht mit Laminarien bewachsen ist. Gliederfüsser und Seesterne, Nacktschnecken und Fische verbergen sich hier unter den Pflanzen, Anemonen bevölkern auch hier die Wand.

Der Eisfjord ganz aus der Nähe

Wieder schien die Sonne, der Himmel war strahlend blau, ein perfekter Tag für unsere Tour durch die Eisberge. Am Vormittag verließen wir mit der "Maya" den Hafen in Richtung Isfjeldsbanken. Vor kurzem mußte weiter draußen ein Eisberg gedreht haben oder auseinandergebrochen sein, denn die Wasseroberfläche war dermaßen mit Eisschrott bedeckt, dass man mit dem Boot gar nicht in den Isfjeldsbanken hineinfahren konnte. Nachdem wir aber etwas weiter westlich nochmals einen Versuch starteten, fanden wir einen Eingang und fuhren staunend und schwer beeindruckt mit dem Schiff in den Wasserstraßen zwischen den riesigen Eismassen entlang. Mal kamen Höhlen, mal wie Eingänge von Kathedralen anmutende Tore zum Vorschein, mal schimmerte das Eis grün oder türkis, dann wieder hörte man es krachen und über allem schien die Sonne an einem sehr kalten Tag, ein Vorbote des nahenden Winters.

Eine ganz andere Erfahrung mit dem grönländischen Gletschereis machten wir ebenfalls an Bord der "Maya". Wenn man nämlich ein Stückchen dieses Eises in einen Aperitif gibt, knistert das Eis beim Schmelzen im Drink und setzt Luft, die schon seit Urzeiten eingeschlossen ist, frei.

Der Abschied

Den letzten Abend genossen wir ausführlich bei einem gemütlichen Abendessen im Hvide Falk, von dem man die Bucht vor Ilulissat, mit all ihren Eisbergen, vor dem Hintergrund eines um diese Jahreszeit noch sehr langen Sonnenuntergangs beobachten kann.

Die Entspannung haben wir uns auch redlich verdient, denn immer wieder mußte die gesamte Ausrüstung samt BAUER Kompressor verladen werden, immer wieder mußte die Ausrüstung von der Unterkunft zum Boot und wieder zurück oder sogar zu Fuß zum Tauchplatz gebracht werden.

Die Rückreise habe wir alle gemeinsam angetreten. Frühmorgens am Montag starteten wir in Ilulissat und mußten über Kangerlussuaq nach Kopenhagen fliegen. Da ein Weiterflug am gleichen Tag nicht möglich ist, verbrachten wir die Nacht am Flughafen, wo es ein Hotel direkt im Transit-Bereich gibt. Da alle Bars und Restaurants um 22.00 Uhr Feierabend machten, wir aber neben dem Abschied noch einen Geburtstag zu feiern hatten, waren wir schließlich die einzigen, die hier im Flughafen noch vorzufinden waren und die halbe Nacht feierten. Am nächsten Tag trennten sich dann unsere Wege und jeder flog seinem Wohnort entgegen.

Eva Schmied




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